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100 Jahre Bauhaus

Bauhaus und Beton – gemeinsam in die Moderne

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. Die weltweite Resonanz auf das Wirken der Kunstschule hält bis heute an – wie auch der Einsatz des Werkstoffs Beton, der schon damals das bevorzugte Material der Bauhaus-Architekten war.

Symbolträchtiger konnte der Standort des ersten Bauhaus-Gebäudes nicht sein: Wie ein neuer Tempel steht das Haus „Am Horn“ auf einem Hügel am Rand des Ilmparks in Weimar. Der 1923 errichtete weiße Kubus mit seinen knapp eingeschnittenen schnörkellosen Fenstern übertraf alle bis dahin realisierten Ideen des Bauens. Das Haus Am Horn war Teil der ersten Bauhaus-Ausstellung 1923. Leben, Handwerk und Kunst unter einem Dach zu vereinen, eine neue Pädagogik zu begründen und Beiträge zur Lösung der dringendsten Herausforderungen der Zeit zu entwickeln, das war das Ziel der 1919 von Walter Gropius gegründeten Kunstschule, des Bauhauses. Mit der ersten Ausstellung wollten die Bauhäusler quasi einen ersten Rechenschaftsbericht liefern. Es wurden Arbeiten aus dem Unterricht, aus den Werkstätten und freie künstlerische Arbeiten der Bauhaus-Architekten gezeigt.

Prototyp für modernes Bauen

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmete sich der internationalen Architektur und den Fragen des künftigen Wohnens. Dazu hatte das Bauhaus einen schulinternen Wettbewerb zur Entwicklung eines Versuchshauses für eine Mustersiedlung ausgeschrieben. Die Jury entschied sich für den Entwurf des Malers und damaligen Bauhaus-Meisters Georg Muche. Die Ausführung übernahm das Architekturbüro des damaligen Bauhaus-Direktors Walter Gropius, die Bauleitung der am Bauhaus lehrende Adolf Meyer, rechte Hand und enger Vertrauter von Walter Gropius.

Das Haus Am Horn sollte ein Prototyp modernen Bauens sein und Antwort auf eine der damaligen großen Herausforderungen geben: die Wohnungsnot. Der Entwurf zeigte, wie man vor diesem Hintergrund bauen und wohnen könnte, sollte und müsste. Und so war das Gebäude eher ein Versuchs- denn ein Musterhaus. Auf einer Grundfläche von 12 x 12 Metern konstruierte Muche baukastenartig in einem nahezu symmetrischen Grundriss alle Räume des Hauses um den zentralen Wohnraum herum. Flur, Küche, Speise-, Kinder-, Damen- und Herrenzimmer, Bad sowie Gästezimmer minimierte er zugunsten des Gemeinschaftsraumes maximal funktional und frei von Verspieltheit und Ornamenten.

Gleichzeitig war das Haus Am Horn Experimentierfeld für neue Materialien, Konstruktionen und Technologien. Muche konzipierte das Wohnhaus für eine berufstätige Kleinfamilie ohne Hauspersonal, als modernen Haushalt mit Haus- und Küchentechnik. Neben Einbauschränken gehörten eine Zentralheizung und Warmwasserbereitung, ein moderner Gasherd, eine Waschmaschine und eine Telefonanlage zur Ausstattung. Die Innenausstattung des Hauses, wie Mobiliar, Leuchten, Teppiche und keramische Gefäße, stammte aus den Bauhaus-Werkstätten und wurde unter anderem von Marcel Breuer, Gunta Stölzl und László Moholy-Nagy entworfen. Die Wand- und Deckenaufbauten des Hauses wurden mit zementgebundenen Schlackebetonsteinen als zweischaliges Mauerwerk mit einer dazwischen liegenden Isolation gemauert. Das sparte Transportkosten, erlaubte schlankere Querschnitte und vermied Wärmeverluste.

100 Jahre Bauhaus

Deutschlandweit erinnern mehr als 500 Veranstaltungen an die Gründung der Ideenschule, so wie die Ausstellung „Weissenhof City“ in der Staatsgalerie Stuttgart. Internationale Künstler nehmen darin das Publikum mit auf Spurensuche des vorausschauenden Bauhauses, durch die Weissenhof-Siedlung und auch jenseits bekannter Pfade.

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„Die Krankheit unserer heutigen Städte und Siedlungen ist das traurige Resultat unseres Versagens, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.“

Walter Gropius

Obwohl die Architektenausbildung in der Weimarer Bauhaus-Zeit von 1919 bis 1925 noch nicht Bestandteil der Lehre des Bauhauses war, waren Gropius und seine Mitstreiter mit dem Haus Am Horn ihrer Zeit voraus: Es waren die Pädagogen und Künstler der Kunstschule, die den in Berlin, Frankfurt oder Wien nach neuen Wohnkonzepten suchenden Architekten, Genossenschaften und Wohnungsbaugesellschaften den Weg des künftigen Bauens wiesen.

Beton war und ist das Material der Moderne. So wurde das Bauhausgebäude in Dessau mit den damals richtungsweisenden Materialien wie Glas und Stahlbeton.
Bauhausgebäude Dessau - Beton war und ist das Material der Moderne. So wurde das Bauhausgebäude in Dessau mit den damals richtungsweisenden Materialien wie Glas und Stahlbeton.

Neue Baumaterialien

Mit dem Umzug des Bauhauses nach Dessau wurde die Architektur zentrales Thema. In den knapp sieben Jahren des Dessauer Bauhauses von 1925 bis 1932 entstanden hier neben dem Bauhausgebäude von Walter Gropius und den Meisterhäusern die Siedlung Dessau-Törten, das Kornhaus, das Haus Fieger, das Stahlhaus und das Arbeitsamt – Bauwerke, die bis heute das Bild des Bauhauses prägen.

Wurden beim Haus Am Horn als damals günstiges Baumaterial noch zementgebundene Schlackebetonsteine eingesetzt, so kam in Dessau erstmals Beton – neben Stahl und Glas eines der neuen Baumaterialien – zum Einsatz. Walter Gropius, hatte gemeinsam mit Adolf Meyer bereits 1911 mit dem Neubau des Fagus-Werks eine karge Betonkonstruktion mit einer Vorhangfassade aus Glas – und damit ein Vorspiel für die Gestaltung des Dessauer Bauhausgebäudes – geschaffen. Er entwickelte diese Bauweise für das 1926 fertiggestellte Bauhausgebäude weiter: ein Schlüsselwerk der europäischen Moderne, in dem sich die Prinzipien des Funktionalismus mit herausragender architektonischer Qualität verbanden.

Sprung über das Bauhaus

T. Lux Feininger fotografierte die Bauhäusler Xanti Schawinsky und Erich Consemüller vor dem Bauhaus-Gebäude in Dessau (ca. 1927).

Weltweites Vorbild

Die Idee des rationell elementierten Bauens als „Baukasten im Großen“, erstmals erprobt beim Haus Am Horn, wurde in Dessau im Rahmen des Baus der Versuchssiedlung Törten weiterentwickelt – ebenfalls unter Einsatz des Baumaterials Beton. Die Siedlung war als Lösung für einen preisgünstigen Massenwohnungsbau konzipiert worden und umfasste 314 Reihenhäuser. Dabei wurde auch die Eignung neuer Baustoffe und Industrieprodukte getestet. Die Baustelle wurde wie eine industrielle Taktstraße organisiert. Mehrere Häuser wurden gleichzeitig in einem Bauabschnitt errichtet.

Das Bauhaus-Archiv in Berlin mit den charakteristischen Sheddächern wurde von Walter Gropius entworfen.
Markante Silhouette - Das Bauhaus-Archiv in Berlin mit den charakteristischen Sheddächern wurde von Walter Gropius entworfen.
Die Schuhleistenfabrik im niedersächsischen Alfeld wurde 1911 fertiggestellt und gehört
seit 2011 zum Weltkulturerbe.
Fagus-Werk - Die Schuhleistenfabrik im niedersächsischen Alfeld wurde 1911 fertiggestellt und gehört seit 2011 zum Weltkulturerbe.

1928 berief Gropius den Schweizer Architekten Hannes Meyer zu seinem Nachfolger als Direktor des Bauhauses und schlug 1930 den Architekten Ludwig Mies van der Rohe als dritten Direktor der Schule vor. Im September 1932 beschloss die Stadt Dessau die Auflösung des Bauhauses. Mies van der Rohe leitete die Schule in einer alten Telefonfabrik in Berlin weiter, bis sie 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Gropius und Mies van der Rohe emigrierten in die USA. Viele Schüler des Bauhauses arbeiteten nach der Schließung als Architekten in allen Ländern der Welt. So entstand beispielsweise in Tel Aviv die „Weiße Stadt“, deren Bauten geprägt sind von sachlicher Formensprache und hoher Funktionalität. Gebaut wurde überwiegend mit Beton, Eisen und Kalksandstein: Materialien, die sich im warmen Tel Aviv als sehr effizient erwiesen.

Form folgt Funktion

Nach 1945 kehrte das Bauhaus nach Deutschland zurück. Der Bauhäusler Max Bill gründete in Ulm die Hochschule für Gestaltung als eine Art Nachfolgeeinrichtung. Auch dieses Gebäude ist in Sichtbeton gestaltet. Und Architekten wie Oscar Niemeyer griffen in den 1950er-Jahren beim Bau des Westberliner Hansaviertels die Bauhaus-Vorstellungen der Weimarer Zeit wieder auf.

Das Bauhaus wurde – in Abgrenzung zu allen Konzepten der Moderne, vom Konstruktivismus bis zum International Style – zum Oberbegriff. Und schließlich als in Weimar geborenes Kulturgut zum Kult: Die Werke der Bauhaus-Künstler Paul Klee und Lyonel Feininger fanden als Kunstdrucke weite Verbreitung, die Bauhaus-Leuchte der Produktdesigner Wilhelm Wagenfeld und Carl Jakob Jucker, entworfen am Weimarer Bauhaus, avancierte mit dem Gestaltungsleitsatz „Form folgt Funktion“ zu einer der Ikonen modernen Industriedesigns. Das 2019 eröffnete Bauhaus-Museum in Weimar, gestaltet mit Beton, dem Baustoff der Moderne, zeigt, dass das Bauhaus nicht Stil oder Dogma ist, sondern immer noch Impuls für kulturelle Innovation, für die Gestaltung unserer alltäglichen Welt.

Bauhaus-Museum

Das neue Museum eröffnete anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses am 5. April 2019 in Weimar.

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